025bd46c1ef8f043132d8f13616786a8 (1)Wer heute über Jazz in Deutschland spricht, redet eigentlich über eine andere Art der Musik, als im Mutterland dieses Stils, den Vereinigten Staaten von Amerika. Das erste Mal wurde das Wort „Jazz“ in einer Zeitschrift in Deutschland 1919 abgedruckt.

In den 1920er Jahren bewegte man sich noch auf der gleichen Linie wie in den USA. Der Jazz war schwingende Tanzmusik. Hier wurden die Kompositionen aus den Staaten oftmals von deutschen Musikern gecovert. Viele authentische Jazzplatten wurden aus den USA importiert. Man kann diesen Stil zu der damaligen Zeit auch als Modeerscheinung in Deutschland verstehen.

Während sich in den Nachbarländern Deutschlands der Jazz weiterentwickelte, wurde Jazz vom Naziregime als „Niggermusik“ verurteilt. Es ist ein populärer Irrtum, dass Swing und Jazz damals in Deutschland verboten waren. Allerdings wurde diese Art der Musik nicht in den Medien gespielt und verschwand fast von der Bildfläche.

In der Nachkriegszeit, als fast 20 Jahre nachdem der Jazz aus Deutschland verschwunden war, wurde Jazz vor allem in den amerikanischen Besatzungszonen beliebt. In fest allen größeren deutschen Städten eröffneten Jazzclubs.

In der DDR nahm die Entwicklung einen anderen Verlauf. Aufgrund seiner amerikanischen Wurzeln wurde Jazz sehr skeptisch betrachtet. Einigen Musikern wurde sogar die Ausübung ihres Berufes untersagt. Sie wurden als kulturfeindlich betitelt.

Nach dem Mauerbau wurde diese Trennung noch eklatanter. Während in der damaligen BRD die großen Jazzmusiker aus den Staaten selbst im Fernsehen Sendezeit bekamen und sich Musiker wie Klaus Doldinger einen Namen machten, war die DDR Jazz-Szene eher im Untergrund vertreten.

In den 1980ern spaltete sich die deutsche Jazzszene in verschiedene Richtungen. Es muss schon fast als „typisch deutsch“ angesehen werden, dass man eher gegeneinander, als miteinander arbeitete.

Eines der Resultate ist, dass selbst beim größten deutsch Jazz-Festival, dem JazzFest Berlin, keine klare künstlerische Linie erkennbar ist und somit die unterschiedlichen Richtungen des Jazz eher spaltet als vereint.