Was klassische Musiker vom Jazz lernen können

jazz-musicIm Allgemeinen gilt die klassische Musik als E-Musik, also als ernste Musik, während der Jazz der U-Musik, also der Unterhaltungsmusik zugerechnet wird. Während die natürlich eindeutige Kategorien sind, verschwimmen in der Realität die Grenzen zwischen E- und U- Musik öfters relativ deutlich.

Was in den Lehrbüchern immer hervorgehoben wird ist, dass besonders der Jazz fast keine festen Regeln besitzt, während bei der klassischen Musik alles nach dem Notenblatt gespielt wird. Der Jazz ist fast nur Improvisation, in der Klassik gibt es sehr wenig Spielraum hierfür. Beim Jazz ist es Gang und Gäbe, dass das Publikum nach einem gelungenem Solo, oder auch schon währenddessen den Musikern ihre Anerkennung mit Applaus, anfeuernden Pfiffen oder Zurufen Ausdruck verleiht, machen Sie das mal bei einem klassischen Konzert.

Dabei ist gerade das Improvisieren um einiges älter als der Jazz. Liszt, Mozart, Händel und Beethoven sind alle für ihre Improvisationskünste bekannt. Improvisation ist ein integraler Bestandteil der klassischen Musikgeschichte, der bis zu den gregorianischen Gesängen aus dem Mittelalter zurückdatiert. Diese Gesänge verwendet, um zusätzliche Melodien über dem „Cantus Firmus“ (der festen Melodie, lateinisch) zu legen, die von mittelalterlichen Musiker improvisiert wurden.

Anfang des 20. Jahrhunderts verschwand Improvisation in der Zeit der Romantik. Interpreten gaben die Werke der Komponisten Werke Note für Note wieder, die Kunst der Improvisation schließlich vor allem in Europa verloren gegangen. Schuberts Impromptus ist, im Gegensatz zu ihrem Titel nicht improvisiert, sondern wurde methodisch nach genauen Regeln komponiert.

Genau zum gleichen Zeitpunkt, also zu Beginn des 20.Jahrhunderts begann sich in den Staaten der Jazz sich zu entwickeln. Es ist schon interessant, dass zum selben Zeitpunkt in dem in der „alten Welt“ etwas verloren geht es in der „neuen Welt“ gefunden wird. Musiktheoretische bestehen hier natürlich keine Zusammenhänge.

Dennoch täten gerade in der heutigen Zeit einige der klassischen Vertreter gut daran sich ebenso auf ihre Wurzeln zu besinnen und der Improvisation wieder etwas mehr Raum zu verschaffen.